Transponder? Luftraumabsenkung? Flugverbot im Nationalpark?

Transponderpflicht? Luftraumabsenkung? Flugverbot im Nationalpark? Gastflugregelung, Startverbot auf immer mehr Flugbergen! Was kommt noch?

Im Moment werden wir Gleitschirmflieger in Österreich nicht gerade mit positiven Meldungen überhäuft. Im ganzen Land wird viel über die einzelnen Punkte diskutiert.

Als sportlicher Leiter für den Bereich Paragleiten bin ich in einige Themen etwas involviert und will heute endlich die Gelegenheit nützen und ein wenig informieren.

Transponderpflicht und Luftraumabsenkung:
Zu diesem Thema war ich leider zu keinem der Gespräche eingeladen und kann somit nur aus zweiter Hand informieren. Günter Huber vom “Fly 4 Fun – 1. Drachenflieger- und Paragleiter-Club in Salzburg” hat bereits eine sehr gute Zusammenfassung geschrieben, welche auch meinen Wissensstand wiedergibt.

Ich kann diese Zusammenfassung nur noch ein wenig ergänzen:
Lt. meinen Informationen soll in den nächsten 7 Tagen von der Austro Control eine neue Karte für ganz Österreich ausgearbeitet werden. Diese wird an den Aero Club übermittelt und von dort weiter an die zahlreichen Vereine in Österreich gesendet. Alle Vereins-Obmänner sind anschließend aufgerufen, zu den Änderungen Stellung zu nehmen.
Meinen Informationen nach zu urteilen, sind die Gesprächspartner seitens Austro Control und Ministerium durchaus Kompromissbereit*. Die Sektionsleiter und der Generalsekretär des Aero Clubs setzten sich in den bisherigen Gesprächen bereits sehr für die Interessen der Flugsportler ein und hoffen nach wie vor, die geplanten Maßnahmen abwenden zu können.

* Anmerkung Generalsekretär ÖAeC Manfred Kunschitz:
Kompromissbereitschaft ist gegeben, hat jedoch sicher Grenzen – wir werden erst im Laufe des März sehen, inwieweit man uns entgegen kommt bzw. was das Endergebnis für Auswirkungen auf – insbesondere PG und HG – hat.

In Deutschland ist man der Meinung, das Ziel “Umsetzung SERA” mit anderen Mitteln zu erreichen. Der ÖAeC glaubt, dass diese deutsche Lösung halten wird – das bmvit bzw. die EASA glaubt dies nicht.

Weshalb Österreich hier als eines der ersten Länder die Luftraumänderungen* genau nach Verordnung umsetzen will, ist mir ein Rätsel.

* Anmerkung Generalsekretär ÖAeC Manfred Kunschitz:
es handelt sich um EU-weit harmonisierte Luftverkehrsregeln. Diese Verordnung (SERA) stellt ein Rahmenwerk dar, das jedes EU-Mitglied umsetzen muss, wobei es dabei durchaus zu unterschiedlichen Wegen innerhalb des Regelwerkes kommen kann. Von 28+4 Ländern haben bis dato lediglich 3 die Umsetzung durchgeführt – spätestens mit 04.12.2014 müssen „alle“ EU-Länder die Umsetzung vollziehen.

Persönlich sehe ich im Moment zwei Möglichkeiten: Entweder die absolute Ablehnung der Änderungen und damit die offene Konfrontation – mit ungewissen Ausgang. Oder der Versuch, Kompromisse einzugehen. Ich bin fest davon überzeugt, daß unsere Vertreter aus den Landessektionen und der Aero Club das Optimum für uns herausholen.

Bzgl. der Transponder sehe ich persönlich mehrere Probleme:

1: Um in Österreich einen Transponder betreiben zu dürfen, braucht es meines Wissens nach ein Funkerausbildung*!

* Anmerkung Generalsekretär ÖAeC Manfred Kunschitz:
Richtig, rein rechtlich ist das leider so – was aber nicht heißt, dass das so bleiben muss – man könnte versuchen die Oberste Fernmeldebehörde zu einer dahingehenden Gesetzesänderung zu bewegen.

2: Es reicht nicht einen Transponder zu kaufen und vor dem Start einzuschalten. Um einen Transponder zu betreiben, muß dieser zuvor angemeldet und zertifiziert werden – sehr aufwendig und vor allem kostspielig (soweit ich weiß auch mit laufenden Kosten* verbunden).

* Anmerkung Generalsekretär ÖAeC Manfred Kunschitz:
Auch richtig, wobei eine einmalige Zertifizierung über einen Hersteller möglich wäre. Aber ich sehe keine Chance, die laufenden Kosten zu umgehen.

3: Transponder* sind nach wie vor ziemlich unhandlich, brauchen viel Strom (großer Akku) und kosten auch recht viel.

* Anmerkung Generalsekretär ÖAeC Manfred Kunschitz:
Ich hatte heute bereits ein ausführliches Gespräch mit einem Hersteller. Wenn man den Gesetzgeber (in dem Fall die EASA) dazu bringen kann ein entsprechend eigenes Pflichtenheft für Geräte in HG/PG vorzugeben, wären Hersteller schon bald in der Lage ein Zigarettenschachtelgroßes Gerät zu zertifizieren – das würde aber geringere Sendeleistung genauso voraussetzen, wie einen Verzicht eines Bediendisplays u.ä. Dinge mehr.

Vorsichtige Schätzung … Kosten im Bereich von 600/800 €.
Wir werden in Richtung Behörden jedenfalls einen Denkprozess in diese Richtung anstoßen, da sonst in einigen Jahren noch immer nichts verfügbar sein wird – eindeutige Aussage des Herstellers: Ins Blaue entwickeln können wir uns nicht leisten.

Persönlich glaube ich nicht, daß XC-Piloten prinzipiell gegen Transponder sind. Aber vielleicht sollte man der Technik noch ein paar Jahre Zeit geben. Auch wenn ich weiß, daß GPS Sender wie bspw. der SPOT* für die Luftraumüberwachung aufgrund von Manipulationsgefahr etc. nicht zugelassen sind (danke Bernd Humpl für den Hinweis), so könnten diese doch in einigen Jahren, bei kürzerem Trackingintervall, durchaus ein Kompromiss sein.

* Anmerkung Generalsekretär ÖAeC Manfred Kunschitz:
Ein Transponder sendet/empfängt auf einer weltweit einheitlichen Standard-Frequenz. D.h. irgendwelche Flarm- und/oder Trackingsysteme sind dazu leider nicht geeignet.

Es gibt übrigens eine Petition gegen die Transponderpflicht (private Initiative), welche online unterzeichnet werden kann.

Auch eine Facebook Seite (auch private Initiative) wurde zu diesem Thema eingerichtet.

 

Flugverbot im Nationalpark?

Anscheinend hat die Salzburger Landesregierung vor, das Nationalpark-Gesetz zu überarbeiten. Nur durch Zufall hat die Fliegerszene erfahren, dass darin massive Einschränkungen für sämtliche Luftsportarten geplant sind. Bisher durften Para- und Hängegleiter, Segelflieger, Ballonfahrer etc. in den Aussenzonen ohne Einschränkungen starten und fliegen. In der Kernzone mußte eine Mindesthöhe von mind. 150m GND eingehalten werden, bei Hangflug auch weniger zulässig. Zudem gibt es ganz wenige Sonderschutzgebiete, wo “keine Flugzeuge” zugelassen sind – ob das auch für Gleitschirmflieger galt, kann ich im Moment nicht beantworten.

Der neue Gesetzesentwurf sieht vor, dass sämtliche Luftsportarten nur noch über 5.000 m  (MSL) über den Nationalpark fliegen dürfen – auch in der Kern- und Aussenzone! Auch wenn nun nicht alle Österreicher im NP Hohe Tauern fliegen, so betrifft uns diese Änderung doch alle. Es gibt noch zahlreiche andere Nationalparks und derartige Änderungen würden wohl bald Schule machen.

derzeitigen Höhenbeschränkungen Nationalpark

derzeitige Zonierung Nationalpark

Zum Glück haben sich neben dem Aero Club einige weitere Personen, z.B. Franz Voithofer (Flugschule Pinzgau), Vertreter des Flugplatzes Zell am See als auch einige politisch engagierte Personen, dem Thema angenommen. Ich denke wir sind hier erneut gut vertreten.

 

Gastflugregelung

In den meisten unserer Nachbarländer dürfen Piloten ihrem Flugsport ausüben, sofern sie dies auch in ihrem Herkunftsland dürfen. Franzosen dürfen bspw. in Frankreich fliegen, ohne jegliche Prüfung abgelegt zu haben – “vol libre”. Damit dürfen sie bspw. auch in Deutschland, der Schweiz etc. fliegen.

Österreich geht hier leider einen anderen Weg, der erstens einen enormen bürokratischen Aufwand bedeutet und zweitens kein bisschen besser ist.

Da jeder Österreicher eine theoretische und praktische Ausbildung sowie Prüfung absolvieren muß, verlangt der Staat dies auch von allen Gastpiloten. Diesen Nachweis muß nun jeder Staat erbringen! Es wird also kein Augenmerk darauf gelegt, welche Ausbildungsstandards im jeweiligen Land gegeben sind. Es geht “lediglich” darum, daß eine vom Staat anerkannte Flugbescheinigung erstellt wird.

Eine IPPI Card ist in diesem Fall völlig wertlos, da diese nicht vom Staat verliehen wird.

Persönlich sehe ich keinen Sinn in dieser Regelung, da diese nur für Papierkram sorgt. Zugegeben finde ich auch die Regelung unserer Nachbarländer nicht optimal, aber im Moment scheint es der einzig sinnvolle Weg.

Im Grunde schreit die Thematik nach einem einheitlichen EU-Gesetz*.

* Anmerkung Generalsekretär ÖAeC Manfred Kunschitz:
Nach einer EU-Verordnung würde ich nicht zu laut rufen – da kommt dann etwas, was wir gar nicht wollen. In vielen durch die EU geregelten Bereichen werden Dinge mehr kompliziert als sie einfacher werden. Die europäischen Interessensvertretungen, wie bspw. Europe Air Sports, haben erst vor nicht allzulanger Zeit eine Übernahme der Ultralights durch die EASA abgewehrt. Es ist daher nicht damit zu rechnen, dass sich die EASA in absehbarer Zeit um HG/PG und Fallschirmspringer kümmern wird.

Zudem sollten Schulungsstandards angepasst werden. Bei den Tauchsportlern gibt es bspw. die PADI Ausbildung. Auf der ganzen Welt gibt es Tauchschulen, welche nach den selben Standards ausbilden und zertifizieren. Natürlich muß man sich bei der Gleitschirm-Flugausbildung immer den örtlichen Gegebenheiten anpassen (Windenschlepp vs. Fußstart …), aber im Großen und Ganzen geht es immer ums Fliegen. Aber das ist derzeit wohl noch Zukunftsmusik …

Letztendlich ist es aber wieder der Aero Club, der sich in den Verhandlungen mit dem Ministerium für eine tragbare Lösung einsetzt – wenngleich hier noch kaum nennenswerte Erfolge verzeichnet werden konnten.

Mit Stand Dez. 2013 waren folgende Länder bereits zugelassen: CZE, DEN, GER, ITA, NOR, POL, GBR, ROM, SLO, SUI, SWE, CHI, NZL

Auszug der nicht zugelassenen Staaten: BEL, FRA, HUN, POR, CAN, USA …

Zudem gibt es einige Staaten, wo selbst der Aero Club völlig im Dunkeln tappt: NED, AUS, CRO, GRE, ICE, IRL, LAT, LIE, LIT, LUX, MAL, SVK, TUR, COL, JPN, KOR, ARG …*

Ich wage ja zu behaupten, daß zahlreiche der 195 Staaten weltweit, unser schönes Österreich gar nicht kennen. Wie hoch deren Bereitschaft ist, dem Österr. Staat nachzuweisen, daß es in ihrem Land eine staatliche anerkannte Flugbescheinigung für Gleitschirmflieger gibt, darüber kann wohl nur gemutmaßt werden.

* Anmerkung Generalsekretär ÖAeC Manfred Kunschitz:
Wenn jemand den „legalen Weg“ beschreiten wollen würde, müsste er lediglich beim ÖAeC/FAA seinen Schein vorlegen, womit wir beim Scheinaussteller nachfragen/-forschen können, ob es sich um eine staatliche Lizenz handelt – im Prinzip genau das, was wir bereits angeleiert haben. Aber die Länder „im Dunklen“ habe eben noch kein Muster hergegeben, weshalb wir deren Erlaubnisse nicht bewerten können – es sind dort sich noch zahlreich akzeptable dabei. MEHRHEITLICH HABEN DIE LÄNDER JA „RICHTIGE“ LIZENZEN.

Das bmvit hat bereits erkannt, dass dieser Weg „sehr steinig“ ist und nicht den gewünschten Erfolg bringt, weshalb das Ganze nun „auf Eis“ liegt – hilft zwar akut nicht weiter, aber u.U. gibt es in absehbarer Zeit einen neuen Lösungsansatz um zum Ziel zu gelangen.

Die einzig gute Nachricht: Für Wettbewerbe gibt es seit Jahren eine Ausnahmeregelung.

 

Startverbot auf immer mehr Flugbergen!

Leider höre ich immer wieder von einzelnen Piloten, daß in deren Fluggebieten plötzlich Flugverbote, meist seitens der Grundstücksbesitzer, ausgesprochen werden.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Im Gasteinertal herrscht derzeit bspw. generelles Startverbot am Kreuzkogel. Ausschlaggebend waren zahlreiche Flüge mit Speedglidern, welche unter Skiliften durchflogen, in unmittelbarer Nähe der stark frequentierten Talstation landeten etc. Anderswo sind es wieder zahlreiche Top-Landungen auf den umliegenden Berggipfeln, welche für ein Startverbot sorgen. Die Liste der Problemfälle ist leider lang. Die Verbote sind manchmal durchaus nachvollziehbar, manchmal aber auch völlig aus der Luft gegriffen oder einfach viel zu drastisch.

Es scheint als werden wir Gleitschirmflieger immer mehr und mehr in unserer Freiheit beschnitten. Was wir brauchen, ist eine starke Interessenvertretung, welche wir mit dem Aero Club eigentlich hätten. Doch leider sind bei weitem nicht alle Österr. Gleitschirmpiloten aktive und zahlende Mitglieder im Aero Club.

Ich appelliere an alle Vereinsobmänner, hier noch mehr Aufklärungsarbeit zu betreiben und Piloten zu einer Mitgliedschaft zu bewegen.

Viele Grüße

Stefan Brandlehner

Obmann Liga Paragleiten
Sportlicher Leiter Paragleiten